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Fair Fashion / Nachhaltigkeit / Tipps & Anleitungen

Nachhaltig shoppen leicht gemacht: Das sind die 6 wichtigsten Textilsiegel

Nachhaltig shoppen Textilsiegel

Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz nehmen immer mehr Platz in unserem Leben ein. Im Supermarkt zu Bio-Lebensmitteln zu greifen ist bei den meisten Menschen mittlerweile fast zur Normalität geworden. Glücklicherweise gibt es auch im Bereich Fashion schon etliche Marken, bei denen du nachhaltig shoppen kannst. Gleichzeitig stellen viele Unternehmen vielversprechende Behauptungen zu ihren Nachhaltigkeitsbemühungen auf, die sich beim näheren Hinsehen als leere Versprechungen entpuppen. Die wirklich nachhaltig agierenden Labels von denjenigen zu unterscheiden, die Greenwashing nur als umsatzsteigerndes Marketing-Tool nutzen, ist oftmals gar nicht so leicht.

Mithilfe von unabhängigen Textilsiegeln kannst du schnell einen Überblick bekommen, welche sozialen und ökologischen Standards das jeweilige Kleidungsstück erfüllt. Ich habe dir die aus meiner Sicht 6 wichtigsten Textilsiegel für deinen nachhaltigen Einkauf zusammengefasst. Außerdem erfährst du, warum gerade junge Modelabels noch keine Zertifizierungen haben und trotzdem nachhaltig sein können.

GOTS – Global Organic Textile Standard

Ein umfangreiches und ganzheitliches Textilsiegel

Mittlerweile ist der Global Organic Textile Standard einer der bekanntesten und am weitesten verbreiteten Öko-Textilsiegel. Der Standard soll dir mit seinen hohen Anforderungen und Kontrollen Sicherheit beim nachhaltigen Shoppen geben. GOTS richtet sein Augenmerk auf den biologischen Anbau von Naturfasern, auf die Weiterverarbeitung durch die Zulassung von nur wenigen Chemikalien und auf die Einhaltung sozialer Mindeststandards. Ziel ist es, eine nachhaltige Bekleidungsherstellung mit einer rückverfolgbaren Produktionskette von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück zu gewährleisten.

Erst nach erfolgter Prüfung der gesamten textilen Lieferkette dürfen Textilien das Bio-Siegel tragen. Dabei gibt es zwei verschiedene Varianten des GOTS Zertifikats:

  1. Mindestens 95 % des Produktes sind biologisch, wenn es den Hinweis kbA (Abkürzung für kontrolliert biologischer Anbau) oder kbT (Abkürzung für kontrolliert biologische Tierhaltung) bzw. organic enthält.
  2. Das Produkt enthält mindestens 70 % biologische Fasern, wenn es den Hinweis hergestellt aus …% kbA bzw. kbT oder made with organic enthält. Die Zugabe von synthetischen Fasern ist erlaubt.

Mehr Infos zum Thema Bio-Baumwolle findest du in meinem Blogartikel Warum Bio-Baumwolle die bessere Wahl ist.

Das GOTS Siegel ist eins der bekanntesten Siegel und daher häufiger zu finden.

Dafür steht GOTS

  • Es dürfen nur Fasern mit einem Anteil von mindestens 95 % oder mindestens 70 % aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet werden.
  • Die Einhaltung sozialer Mindeststandards wird überprüft.
  • Es sind nur wenige Chemikalien im Produktionsprozess zugelassen.
  • Für die Weiterverarbeitung müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein (z. B. Weitergabe von Zertifikaten).
  • Bestimmte Umweltkriterien, wie z. B. die Einhaltung der Vorgaben für das Abwassermanagement der verarbeitenden Betriebe, werden eingehalten.
  • Unternehmenskriterien, wie etwa die Nutzung von recyceltem Papier, werden erfüllt.
  • Es besteht eine Nachvollziehbarkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Kritik am GOTS

Es gibt zwei verschiedene Kennzeichnungsstufen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Wenn du chemische Fasern in der Beimischung vermeiden möchtest, ist ein genauerer Blick aufs Pflegeetikett ratsam.

STANDARD 100 by OEKO-TEX® und MADE IN GREEN by OEKO-TEX®

Ohne schädliche Chemikalien und Hilfsmittel: Das versprechen diese beiden Textilsiegel

Durch die Zertifizierung mit dem STANDARD 100 by OEKO-TEX® wird gewährleistet, dass die Ware auf Schadstoffe geprüft wird. Die zulässigen Höchstwerte sind dabei noch einmal deutlich geringer, als die gesetzlichen Vorgaben es zulassen würden. Das Siegel wird in vier verschiedene Klassen aufgeteilt:

  • Produktklasse I: Artikel für Babys und Kleinkinder
  • Produktklasse II: Hautnah verwendete Artikel
  • Produktklasse III: Hautfern verwendete Artikel
  • Produktklasse IV: Ausstattungsmaterialien

Mit der Erweiterung MADE IN GREEN by OEKO-TEX® werden außerdem nachhaltige Prozesse und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen gewährleistet. Das Siegel hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Produkte inklusive aller Vorstufen und dem verarbeiteten Zubehör nachverfolgbar zu machen. Jeder Artikel, der das „MADE IN GREEN“ Siegel trägt, ist durch eine Produkt-ID eindeutig identifizierbar, transparent und abrufbar durch einen QR-Code. So kannst du dich genauestens über das Produkt informieren und unbeschwert nachhaltig shoppen. Greenpeace zählt das Siegel derzeit zu den strengsten auf dem Textil-Markt (Greenpeace-“Detox“-konform). Die erlaubten Rückstände im Endprodukt sind noch strenger als teilweise bei GOTS oder anderen Bio-Textilsiegeln.

Geprüft auf Schadstoffe – dafür steht der Oeko-Tex Standard 100. Copyright by Anne Häfner

Dafür stehen die Labels von OEKO-TEX®

  • Die Produkte sind schadstoffgeprüft.
  • Es sind nur wenig Chemikalien und Hilfsstoffe in der Verarbeitung zugelassen.
  • Eine Vielzahl von Umweltkriterien (MADE IN GREEN) wird eingehalten.
  • Soziale Kriterien (MADE IN GREEN) werden erfüllt.
  • Das MADE IN GREEN Siegel sorgt mit seinem intelligenten QR-Code System zusätzlich für eine sehr gute Nachvollziehbarkeit in der Wertschöpfungskette.

Kritik am OEKO-TEX®-Siegel

Der STANDARD 100 by OEKO-TEX® bezieht sich ausschließlich auf die Schadstoffprüfung. Das MADE IN GREEN Siegel geht einen Schritt weiter, ist derzeit jedoch noch relativ unbekannt. Folglich sind erst wenig Zulieferer zertifiziert.

FAIR WEAR Siegel

Faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen – dafür steht das Siegel der Fear Wear Foundation

Wenn du nachhaltig shoppen und dabei die Verbesserung von Arbeitsbedingungen unterstützen möchtest, solltest du auf das FAIR WEAR Siegel achten. Die gemeinnützige Organisation Fair Wear Foundation (FWF) legt ihr Hauptaugenmerk auf die Arbeiter:innen in den Fabriken. Sie sind oft einem enormen Zeitdruck ausgesetzt, was fehlende Pausen und unzählige Überstunden zur Folge hat. Wenn zum Beispiel die Materialproduktion bereits mehr Zeit in Anspruch genommen hat als geplant, müssen die Näher:innen diesen Verzug oft aufholen, d.h. besonders schnell und viel arbeiten, um rechtzeitig „abzuliefern“. Um diese Missstände zu verbessern, setzt sich die FWF für bessere Arbeitsbedingungen, aber auch für die Arbeitssicherheit der Menschen vor Ort ein.

Dafür arbeitet die Fair Wear Foundation mit Menschenrechtsorganisationen, Betriebsräten und Gewerkschaften zusammen. Denn um nachhaltig eine Veränderung in der Modebranche zu erzielen, müssen die Arbeitsbedingungen laut FWF von verschiedenen Seiten kontrolliert und verbessert werden. Dabei stützt sich die Organisation auf die Bedingungen für sozialverträgliche Arbeits- und Lebensbedingungen der ILO (Internationale Arbeitsorganisation der vereinten Nationen) und des UN-Kommissariats für Menschenrechte.

Genau genommen handelt es sich bei der Zertifizierung von FWF also nicht um ein Siegel, sondern um einen Zusammenschluss von Unternehmen. Alle Mitglieder verpflichten sich mit ihrem Beitritt, die Arbeitsbedingungen der Arbeiter:innen kontinuierlich zu verbessern und die Richtlinien der Fair Wear Foundation nach und nach umzusetzen. Da dies nicht von heute auf morgen passiert, werden alle Fortschritte von der Fair Wear Foundation online transparent kommuniziert.

Um Mitglied zu werden, müssen gewisse Kriterien, wie ein jährlicher Mindestumsatz von mind. 10 Millionen Euro erfüllt werden, bevor die Produkte mit dem Siegel ausgelobt werden dürfen.

Dafür steht das FAIR WEAR Siegel

Das FAIR WEAR Siegel beinhaltet die Verbesserung und Einhaltung folgender 8 Kriterien hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in den Produktionsbetrieben:

  1. Freie Wahl des Arbeitsplatzes
  2. Das Recht aller Arbeitnehmer, Gewerkschaften zu gründen, ihnen beizutreten sowie Tarifverhandlungen zu führen
  3. Keine Diskriminierung
  4. Keine Kinderarbeit
  5. Zahlung existenzsichernder Löhne
  6. Angemessene Arbeitszeiten für die Arbeiter:innen
  7. Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen
  8. Rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis

Kritik am FAIR WEAR Siegel

Die Arbeitsbedingungen der Bauern und Rohstoffhersteller zu Beginn der Wertschöpfungskette werden beim FAIR WEAR Siegel leider nicht berücksichtigt. Der Fokus liegt auf dem Produktionsprozess in den Textilfabriken.

Mit der Auszeichnung des Logos am Etikett ist noch lange nicht gesagt, dass alle Kriterien – geschweige denn zu 100 % – erfüllt werden. Es bedeutet lediglich, dass das Unternehmen auf bessere Arbeitsbedingungen und die Erfüllung der Standards hinarbeitet. Eine Unterscheidung, welches Unternehmen einem anderen schon einen ganzen Schritt voraus ist, ist für den Konsumenten leider nicht erkennbar. Wenn du dir einen genaueren Überblick über die Marken und deren Fortschritt verschaffen möchtest, lohnt sich ein Besuch auf der Website der Fair Wear Foundation.

FAIR TRADE COTTON

Transparenz und Fairness beim Baumwollhandel

Wie es der Name schon verrät, ist dieses Siegel auf einen fairen Baumwollhandel ausgelegt. Dabei geht es um faire Arbeitsbedingungen für die Bauern, stabile Mindestpreise für den Verkauf der Baumwolle, aber auch um die Verringerung des Einsatzes von Chemikalien. Außerdem gibt es ein generelles Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut. Eine Umstellung auf biologischen Anbau wird mit einem Bio-Aufschlag gefördert, der an die Bauern ausgezahlt wird. Selbstverständlich ist auch Kinderarbeit verboten.

Zur Weiterverarbeitung von Fair Trade Cotton müssen alle weiteren Produktionsbeteiligten einen Nachweis über die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen erbringen. Die Internationale Arbeitsorganisation ILO ist die älteste Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Sie ist zuständig für die Entwicklung, Formulierung und Durchsetzung verbindlicher internationaler Arbeits- und Sozialstandards. Besonders glaubhaft: Das Siegel bekommt nur, wer zu 100 % fair handelt.

Manchmal haben Kleidungsstücke sogar gleich mehrere Siegel: GOTS und FAIRTRADE COTTON.

Dafür steht das Textilsiegel FAIR TRADE COTTON

  • Einhaltung sozialer Kriterien
  • Förderung von biologisch angebauter Baumwolle
  • Garantierte Mindestpreise für die Bauern beim Baumwollverkauf
  • Verbot von gentechnisch verändertem Saatgut
  • Transparente Weiterverarbeitung der Baumwolle

Kritik am FAIR TRADE COTTON Siegel

Das Siegel bezieht sich nur auf Artikel aus Baumwolle. Dabei muss es sich nicht um Bio-Baumwolle handeln.

Der Grüne Knopf

Ein freiwilliges staatliches Textilsiegel für das Wohl von Mensch und Natur

Der Grüne Knopf ist ein deutsches, staatliches Textilsiegel. Es wurde vom Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit ins Leben gerufen. Der Fokus liegt auf der Textillieferkette zum Wohl von Mensch und Umwelt. Das Textilsiegel prüft sowohl auf Unternehmens- als auch auf Produktebene. Das heißt, die Unternehmen müssen ihre soziale, menschenrechtliche und ökologische Verantwortung anhand von mehreren Kriterien nachweisen. Und auch die Produkte müssen bestimmte soziale und ökologische Kriterien erfüllen. Insgesamt muss eine Vielzahl an Standards eingehalten werden – von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot.

Produkte dürfen nur mit dem Grünen Knopf gekennzeichnet werden, wenn ein unabhängiges Prüfinstitut, z. B. ein Zertifizierer des GOTS, zwischengeschaltet ist. Die aktuellen Kriterien des staatlichen Siegels werden regelmäßig überarbeitet und um weitere Kriterien ergänzt. Im Juni 2022 wurde das Standard-Dokument Grüner Knopf 2.0 veröffentlicht.

Dieses Kleidungsstück ist doppelt ausgezeichnet – mit dem Grünen Knopf und dem GOTS Siegel.

Dafür steht der Grüne Knopf

  • Prüfung der Unternehmen hinsichtlich ihrer sozialen, menschenrechtlichen und ökologischen Verantwortung
  • Einhaltung sozialer und ökologischer Kriterien auf Produktebene
  • Unabhängige Prüfstellen kontrollieren die Einhaltung der Kriterien

Kritik am Grünen Knopf

Der Grüne Knopf umfasst derzeit noch nicht alle Kriterien für die gesamte Lieferkette. Wenn du nachhaltig shoppen möchtest, solltest du dich deshalb nicht alleine auf dieses Siegel verlassen.

NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST

Reine Naturmaterialien nachhaltig shoppen

Obwohl der Standard mit GOTS bereits sehr hoch angesetzt ist, übertrifft der Standard des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft (IVN) diesen noch einmal. Wie bei GOTS muss die gesamte Lieferkette zertifiziert sein, jedoch bestehen Produkte mit dem IVN BEST-Siegel zu 100 % aus zertifiziert biologischen Fasern. Für die gesamte Wertschöpfungskette – vom Anbau der Fasern bis zum Endprodukt – sind alle wesentlichen Chemikalien verboten. Damit fallen auch Chemikalien weg, die den Stoff optisch verändern würden. Dies wäre zum Beispiel bei merzerisierter Baumwolle der Fall. Auf den typischen Glanzeffekt musst du bei diesem Natursiegel verzichten, da bei der Veredelung Natronlauge zum Einsatz kommt.

Dafür steht das Siegel NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST

Kritik am Öko-Siegel

Kritisieren lässt sich lediglich, dass es nur für Naturmaterialien gilt. Materialien, wie z. B. aus Lyocell, Modal und Viskose sind außen vor. Durch die hohen Auflagen, die vom Verband der Naturtextilwirtschaft vorgegeben werden, können (leider) nur sehr wenige Unternehmen das Siegel verwenden.

Warum du bei kleinen fairen Modelabels auch ohne Zertifizierungen nachhaltig shoppen kannst

Auch wenn all diese Siegel ein Stück Transparenz bieten und auch bei Konsument:innen immer mehr zum Standard gehören, haben sie alle einen entscheidenden Nachteil für kleine Labels: Der Zertifizierungsprozess ist langwierig und eine Zertifizierung, Registrierung oder Mitgliedschaft sehr kostspielig. Gerade kleine Modelabels können in den Anfangsjahren diese Prozesse nicht finanzieren.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie sich weniger um Nachhaltigkeit bemühen. Aber wie findest du heraus, wer einen Beitrag für Mensch und Natur leistet? Dazu bieten dir in den meisten Fällen die firmeneigenen Webseiten umfangreiche Informationen zum verwendeten Material, zur Weiterverarbeitung oder zum ethischen Verhalten. Im besten Fall wird die komplette Produktionskette offengelegt und du erhältst Antworten auf deine Fragen. Hier findest du meine besten 5 Tipps, wie du nachhaltige Mode erkennen kannst.

Auch für mich ist es mit simply love it derzeit noch nicht möglich, meine Marke bzw. meine Produkte mit Textilsiegeln auszustatten. Dennoch arbeite ich mit Partnern zusammen, die sich bereits durch viele der oben genannten Siegel zertifiziert haben. Denn es ist mir wichtig, von Anfang an die Produktion unserer Kollektion nachhaltig zu gestalten. Damit habe ich für eine spätere Zertifizierung bereits die richtigen Unternehmen an meiner Seite und damit einen wichtigen Grundstein gelegt. Mehr über die Verantwortung von simply love it und die Reise unserer Lieblingsteile findest du hier.

Du hast Fragen? Dann schreib mir doch einfach eine Email (jule@simplyloveit.de). Ich freue mich!