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Nachhaltigkeit

Das Problem mit den Altkleidern

Das Problem mit den Altkleidern

Wer hätte es gedacht, dass sich Altkleider zu einem echten Umweltproblem entwickeln? Fangen wir mit den Fakten an, denn die haben es in sich: Allein in Deutschland landen laut dem Dachverband FairWertung, einem Zusammenschluss gemeinnütziger Altkleidersammler, jedes Jahr eine Million Tonnen Altkleider in Containern oder Sammlungen. Dies entspricht einer Menge von schätzungsweise 62.000 voll geladenen LKWs pro Jahr. Das sind sage und schreibe 170 volle LKWs pro Tag! Hättest du das gedacht? Ich war und bin immernoch schockiert über diese Zahl. Dies gab mir den Anlass dazu, ein wenig mehr über dieses Thema in Erfahrung zu bringen.

Viel kaufen bedeutet auch viel wegwerfen

Laut Greenpeace kauft jede Person in Deutschland durchschnittlich 60 Kleidungsstücke pro Jahr. Davon wird jedes fünfte nach dem Kauf gar nicht erst getragen. Wir haben inzwischen viermal mehr im Schrank als noch im Jahr 1980. Auch ich habe bis vor knapp zwei Jahren um ein Vielfaches mehr gekauft, als ich gebraucht hätte. Und wer viel kauft, wirft leider auch viel weg.

Die Menge an Altkleidern ist viel zu groß, als dass alle in Deutschland gesammelten Textilien für Bedürftige vor Ort verwendet werden.

Riesenberg aussortierter Klamotten - Das Problem mit den Altkleidern
Weil mein Schrank immer voller wurde, habe ich regelmäßig Berge von Kleidung aussortiert.

Verkauf und Export von Second Hand Kleidung ins Ausland

Aufgrund der großen Massen an Altkleidern, hat sich der Handel mit Second Hand Kleidung zu einem großen Geschäft entwickelt. Mittlerweile stehen an jeder Straßenecke Altkleidercontainer. Und nicht selten sind diese völlig überfüllt und verwahrlost. Tüten und Klamotten hängen heraus, liegen auf dem Boden und verschmutzen die Natur. Viele der Container werden illegal abgestellt. Eine Kontrolle und Nachvollziehbarkeit der Herkunft ist schwierig. Oftmals stehen private Geschäftemacher dahinter, die die Kleidung in einem nicht unerheblichem Umfang sammeln und verkaufen – das Meiste davon ins Ausland. Der eigentliche Gedanke des Spendenden, nämlich Bedürftigen zu helfen, findet hierbei keine Beachtung.

Die gesammelte Kleidung wird hauptsächlich nach Osteuropa oder Afrika exportiert und dort weiterverkauft. Aus ökologischer Sicht betrachtet, ist schon allein der Transport von jährlich hundertausenden Tonnen Altkleidern äußerst fragwürdig. Der Altkleider-Handel selbst ist einerseits für viele Menschen eine Möglichkeit auch ohne Ausbildung Geld zu verdienen. Andererseits sind die großen Exporte ins Ausland jedoch auch der Grund, dass speziell in Afrika kaum noch Stoffe und Textilien selbst produziert werden. Und das, obwohl der Rohstoff Baumwolle vor Ort angebaut wird. Stattdessen wird dieser exportiert und anderswo weiterverarbeitet.

Fast Fashion Kleidung endet als Sondermüll

Um die Trends der Laufstege billig und schnell in den Geschäften anbieten zu können, geht es bei vielen großen Textilketten in erster Linie darum, wenig Kosten für Material aufzuwenden und möglichst viel schnell zu produzieren. Dass darunter die Qualität der Kleidung leidet, versteht sich von selbst. Von den Arbeitsbedingungen vor Ort ganz abgesehen.

Die mangelnde Qualität führt wiederum dazu, dass nur etwa die Hälfte dessen, was in den Containern landet, als Second Hand Kleidung wiederverwendet werden kann. Der Rest wird aussortiert. Was gar nicht zu gebrauchen ist, muss laut dem Kreislaufwirtschaftsgesetz recycelt werden. Dazu wird in einer sogenannten Reißerei alte, kaputte und schmutzige Kleidung vernichtet, d.h. in Fasern zerrissen. Diese werden dann zu Ballen gepresst und weiterverkauft, um sie in Form von Putzlappen oder Dämmmaterial in der Autoindustrie weiterzuverwenden. Über die Jahre hat sich die schnelllebige Fast Fashion Industrie aber auch hier zu einem echten Problem entwickelt.

Die billigen Klamotten von heute sind der Sondermüll von morgen.

Ein Großteil der Kleidung besteht aus synthetischen Fasern, da diese in der Herstellung deutlich günstiger sind. Sie lassen sich jedoch viel schlechter recyceln. Wegen der Verwendung von schwermetallhaltigen Farbstoffen und verschiedenen Kunstfasern lassen sich diese auch nicht einfach entsorgen und müssen oftmals sogar wie Sondermüll behandelt werden. Aus diesem Grund dürfen ab dem Jahr 2025 in Europa keine Altkleider mehr in die normale Mülltonne wandern.